Glossarbegriff
AI Act Risikoklassen
Auch: EU AI Act Risk Categories
Vier-stufige Klassifikation nach EU AI Act: verboten (Art. 5), Hochrisiko (Anhang I/III), begrenztes Risiko (Art. 50 Transparenzpflichten), minimales Risiko (freiwillige Codes). Klassifizierung ist die erste Pflicht, sie muss dokumentiert und nachvollziehbar sein.
Verboten (seit Februar 2025): Social Scoring, manipulative KI, biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung im öffentlichen Raum, Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildung, ungezielte Gesichtsdatenbank-Erstellung.
Hochrisiko Anhang III: KI in Beschäftigung, Bildung, Kreditscoring, Versicherungs-Risiko, Strafverfolgung, Migration, kritischer Infrastruktur, Justiz, demokratischen Prozessen, biometrischer Kategorisierung. Hochrisiko Anhang I: KI als Sicherheitskomponente in regulierten Produkten (Maschinen, Medizinprodukte, Spielzeug, Aufzüge).
In der Praxis
Begrenztes Risiko: Chatbots, Deepfakes, Emotionserkennung, biometrische Kategorisierung, KI-generierte Inhalte (mit Pflicht zur Kennzeichnung). Minimales Risiko: alle anderen Fälle. Klassifizierung muss dokumentiert sein, die EU-Aufsicht kann die Einstufung jederzeit korrigieren.
Verwandte Begriffe
EU AI Act
Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz. Weltweit erstes umfassendes KI-Gesetz. Vier Risikoklassen: verboten, Hochrisiko, begrenztes Risiko, minimales Risiko. Geltung schrittweise ab Februar 2025 bis August 2028.
AI Act Konformitätsbewertung
Verfahren zur Feststellung, dass ein Hochrisiko-KI-System die Anforderungen des EU AI Act erfüllt, bevor es in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wird. Pflicht für alle Anhang-III-Hochrisiko-Systeme ab 2. Dezember 2027 (verschoben vom ursprünglichen 2. August 2026 durch den Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744).
BaFin DORA-Aufsichtsmitteilung
Veröffentlichungen der BaFin zur Auslegung und Erwartung der DORA-Anwendung in Deutschland. Stand 2025/2026 ergehen die wichtigsten Hinweise als Aufsichtsmitteilungen, Merkblätter und Fachartikel im BaFin-Journal, nicht als klassisches Rundschreiben.
BAIT
Rundschreiben der BaFin, das die Anforderungen an die IT-Aufstellung von Kreditinstituten konkretisiert. Präzisiert MaRisk AT 7.2 für IT-Strategie, Informationssicherheit, Benutzerberechtigungen, Projektmanagement, Anwendungsentwicklung und IT-Outsourcing.
BCM
Disziplin zur Aufrechterhaltung kritischer Geschäftsprozesse bei Störungen. Standards: ISO 22301, BSI-Standard 200-4. Im Finanzsektor durch BAIT/VAIT und DORA Art. 11 verpflichtend.
BSI C5
Prüfkatalog des BSI für Cloud-Dienste, der eine Mindest-Sicherheitsbasis und Transparenzpflichten definiert. Wird über ein C5-Testat durch unabhängige Wirtschaftsprüfer nachgewiesen. De-facto-Standard für Cloud-Beschaffung im deutschen Markt.
BYOK / HYOK (Bring/Hold Your Own Key)
Schlüssel-Management-Modelle in Cloud-Umgebungen: BYOK bedeutet, der Kunde bringt seinen eigenen Schlüssel in den Cloud-KMS ein. HYOK bedeutet, der Schlüssel verlässt nie die Kunden-Infrastruktur, nur die Operationen werden bei Bedarf an den KMS delegiert.
CASB
Sicherheits-Layer zwischen Nutzern und SaaS, der Sichtbarkeit (Shadow-IT-Discovery), Datenschutz (DLP), Compliance und Threat-Protection über SaaS-Apps hinweg liefert. Vier Funktionen nach Gartner: Visibility, Compliance, Data Security, Threat Protection.
