Glossarbegriff
BCM
Auch: Business Continuity Management, Geschäftsfortführungs-Management
Disziplin zur Aufrechterhaltung kritischer Geschäftsprozesse bei Störungen. Standards: ISO 22301, BSI-Standard 200-4. Im Finanzsektor durch BAIT/VAIT und DORA Art. 11 verpflichtend.
BCM umfasst Business Impact Analyse (BIA), Risikobewertung, Continuity-Strategien, BCM-Pläne, Tests, Schulung, kontinuierliche Verbesserung. Prüfbar durch ISO-22301-Zertifizierung oder BSI-Standard 200-4 Audit.
Kennzahlen: Recovery Time Objective (RTO, max. akzeptierte Ausfallzeit) und Recovery Point Objective (RPO, max. akzeptierter Datenverlust). Kritische Prozesse haben typischerweise RTO < 4h und RPO < 1h.
In der Praxis
DORA Art. 11 verlangt Business Continuity Policy mit Backup-Strategie, Recovery-Plänen und regelmäßigen Tests. NIS2 Art. 21 Buchstabe c verlangt explizit Business Continuity und Krisenmanagement.
Verwandte Begriffe
RTO / RPO
Zwei Kernkennzahlen des Business Continuity Management. RTO = maximale Ausfallzeit, in der ein Prozess wieder verfügbar sein muss. RPO = maximaler tolerierbarer Datenverlust, gemessen in Zeit.
DORA
EU-Verordnung 2022/2554 für digitale operationale Resilienz im Finanzsektor. Seit 17. Januar 2025 unmittelbar geltend. Fünf Säulen: ICT-Risikomanagement, Vorfallsmanagement, Resilienz-Testing inkl. TLPT, Drittanbieter-Steuerung, Informationsaustausch.
NIS2
EU-Richtlinie 2022/2555 zur Netz- und Informationssicherheit. Löst NIS1 ab, erweitert den Anwendungsbereich auf rund 30.000 deutsche Unternehmen in 18 Sektoren, führt persönliche Haftung der Geschäftsleitung ein und verlangt zehn Mindestmaßnahmen nach Art. 21.
BaFin DORA-Aufsichtsmitteilung
Veröffentlichungen der BaFin zur Auslegung und Erwartung der DORA-Anwendung in Deutschland. Stand 2025/2026 ergehen die wichtigsten Hinweise als Aufsichtsmitteilungen, Merkblätter und Fachartikel im BaFin-Journal, nicht als klassisches Rundschreiben.
BAIT
Rundschreiben der BaFin, das die Anforderungen an die IT-Aufstellung von Kreditinstituten konkretisiert. Präzisiert MaRisk AT 7.2 für IT-Strategie, Informationssicherheit, Benutzerberechtigungen, Projektmanagement, Anwendungsentwicklung und IT-Outsourcing.
BSI C5
Prüfkatalog des BSI für Cloud-Dienste, der eine Mindest-Sicherheitsbasis und Transparenzpflichten definiert. Wird über ein C5-Testat durch unabhängige Wirtschaftsprüfer nachgewiesen. De-facto-Standard für Cloud-Beschaffung im deutschen Markt.
BYOK / HYOK (Bring/Hold Your Own Key)
Schlüssel-Management-Modelle in Cloud-Umgebungen: BYOK bedeutet, der Kunde bringt seinen eigenen Schlüssel in den Cloud-KMS ein. HYOK bedeutet, der Schlüssel verlässt nie die Kunden-Infrastruktur, nur die Operationen werden bei Bedarf an den KMS delegiert.
AI Act Konformitätsbewertung
Verfahren zur Feststellung, dass ein Hochrisiko-KI-System die Anforderungen des EU AI Act erfüllt, bevor es in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wird. Pflicht für alle Anhang-III-Hochrisiko-Systeme ab 2. Dezember 2027 (verschoben vom ursprünglichen 2. August 2026 durch den Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744).
